Stahl im Wohnungsbau

Das Familienwohnhaus an der Regensbergstrasse in Zürich der Graser Architekten AG (Foto von Ralph Feiner).

Baustoff mit Potenzial

Stahl gilt in der Industrie und im Gewerbe seit Jahrzehnten als unverzichtbarer Baustoff. Stahlkonstruktionen sind äusserst hitzebe­ständig und stabil, lassen sich aber dennoch in ihrer Struktur gut anpassen. Ausserdem gewährt Stahl eine grosse Flexibilität bei der Grundrissgestaltung und ermöglicht durch die trockene Bauweise sowie industriellen Vorfertigungen eine kurze Bauphase.

Trotz der vielen Vorzüge hat sich Stahl im Woh­nungsbau noch nicht etabliert – obwohl die Anforderungen an Brandschutz, Statik und Energieeffizienz angestiegen sind. Im kürzlich erschienenen Buch «Zu Hause im Stahl» wird diese Thematik aufgegriffen.

Neben ikonografischen Wohnungsbauten aus Stahl wie dem Hôtel Tassel in Brüssel, dem Maison de Verre in Paris oder dem Eames House in Los Angeles, beleuchtet das Buch auch zeitgenössische Stahlkonstruktionen von den Architekturbüros Christian Kerez, Bow­ Wow oder Lacaton & Vassal.

Zu Hause im Stahl

Anhand Forschungsprojekten, Workshops, Dokumentationen und Gesprächen mit Experten zeigt das Werk auf rund 150 Seiten auf, welches Poten­zial im modernen Stahlbau schlummert.

Lassen Sie sich von modernen Konstruktionen der Architekturbüros Christian Kerez, Bow-Wow oder Lacaton & Vassal inspirieren und von den Vorzügen des Stahls im Wohnungsbau überzeugen.

Interview mit Patric Fischli-Boson, Geschäftsleiter Stahlbau Zentrum Schweiz

Was war die Motivation, das Buch «Zu Hause im Stahl» zu publizieren?

Stahl ist im Gewerbe­, Industrie­ und Hallenbau anzutreffen. Das Volumen dieser Märkte ist jedoch abnehmend und konkurriert zusehends mit Holz­ sowie Betonvorfabrikaktionssystemen. Da die Betontradition an den Hochschulen sehr präsent ist, haben wir mit dem Institut für konstruktives Entwerfen IKE der ZHAW das Potenzial von Stahl im Wohnungsbau untersucht. Vertreter der «Solothurner Schule» haben Stahl bereits in den 50er bis 80er ­Jahren im Wohnungsbau verwendet. Es gibt eine Schweizer Tradition, nur ist sie etwas in Vergessenheit geraten.

Welche Botschaft soll das Buch vermitteln?

Wir möchten das Interesse der Architekten am Stahlbau wieder entflammen und Vor urteile im kritischen Dialog untersuchen. Neben architektonischen Standpunkten behandelt das Buch auch technische Themen wie Bauphysik, Brandschutz oder Ökologie. Damit wollen wir aufzeigen, dass es Lösungen gibt, die dem schweizerischen Qualitätsstandard entsprechen. Unabhängige Untersuchungen haben beispielsweise gezeigt, dass der in der Schweiz verwendete Stahl im Vergleich zu Brettschichtholzträgern gleiche und bei höheren Lasten und Spannweiten sogar bessere ökologische Werte erzielt.

Das «Haus Mülller» in Zürich des Architekturbüros Christian Kerez Zürich AG (Foto von Georg Aerni).

Im Oktober hat das SZS zusammen mit dem SSHV und AM Suisse in Rothrist zum ersten Schweizer Stahl- und Metallbautag eingeladen: «Digitales Bauen – Fit für die Zukunft». In welche Richtung wird sich der Stahlbau entwickeln?

Der Stahlbau ist in der digitalen Fabrikation bereits weit entwickelt. Nun gilt es, diese Stellung auszubauen und die gesamte Wert­schöpfungskette von der Planung bis hin zur Montage zu implementieren. Dies ist insbesondere für den Handel interessant, da nicht mehr nur Produkte, sondern vermehrt auch Daten gehandelt werden. Die Vernet­zung wird voranschreiten, weshalb wir unsere Branche sensibilisieren und mit Strategien wappnen möchten. Aufgrund des Bevölkerungswachstums und der knappen Landressourcen wird auch für die Aufstockung bestehender Gebäude ein grosser Baumarkt entstehen. Der hohe Vorfertigungsgrad des Stahls ermöglicht kurze Bauzeiten und die Leichtbauweise erlaubt im Vergleich zu Massivbaukonstruktionen rund 60 % Gewichtseinsparung.